Inventarnummer
  77 (1901) 
Kopist
  anonyme Originalkopie nach Raffael; eventl. Carl Friedrich Thomas (Aachen 1806-1879 Aachen), der schon die Madonna della Sedia (Original im Palazzo Pitti in Florenz) 1831 kopierte. (Näheres zum Maler siehe Fey, Grimme, Puvogel und Vogt) 

Künstler

  Raffael 
Titel
  Madonna della Tenda mit Jesus und Johannes 

Signatur, Beschriftung
unbekannt 

Datierung
etztes Viertel 19. Jahrhundert (um 1513/14) 

Aufbewahrungsort
unbekannt 

Sammlung
München 
Bayrische Staatsgemäldesammlung, Alte Pinakothek, München, WAF 797 

Maße
66 x 52 cm (65,8 x 51,2 cm) 

Rahmen
unbekannt 

Material & Technik
(Pappel/Kastanienholz)  

Erhaltungszustand
unbekannt 

Bildbeschreibung
Die Madonnendarstellungen hatten einen besonderen Stellenwert im Schaffen Raffaels, denn in ihnen kommt der menschliche Aspekt der innigen Beziehung zwischen Mutter und Kind zum Ausdruck. Der pyramidale Aufbau der Figurengruppen lässt auf Einflüsse Leonardos schließen. Mit der Madonna della Tenda haben wir ein Beispiel für die halbfigurige Madonnendarstellung. Vor einem in der linken oberen Bildhälfte zu sehenden, in dunklen Tönen gehaltenen Vorhang ist eine Dreiergruppe zu erkennen. Maria, in einem feinen, roten Gewand und ebenso farbigen Kopftuch, beides mit goldenen Bordüren versehen, hält das junge Jesuskind in den Armen. Rechts dahinter erkennt man den Kopf, Hals und Arm des ebenfalls kleinen Johannes. Das Haupt eines jeden von ihnen ziert ein hauchdünner, goldener Heiligenschein. Während der Blick des Jesuskindes nach links oben aus dem Bild hinaus flüchtet, schauen sich Maria, im Halbprofil zu sehen, und Johannes an. Dem Kreuz des Johannes kommt bei der Madonna della Tenda eine besondere Bedeutung zu, da es sich genau zwischen den beiden Kinderköpfen im Hintergrund und auf dem Schnittpunkt der beiden Heiligenscheine befindet. Ein lebhaftes Kolorit bestimmt den Gesamteindruck des Gemäldes, obgleich die Intensität einiger Farben zu Gunsten einer größeren Harmonie des Ganzen gemildert erscheinen. 

Künstlerbiografie
 

Literaturangaben
Fey, J.: Zur Geschichte Aachener Maler des 19. Jahrhundert, in: Aus Aachener Vorzeit 10, Aachen 1897; S. #.

Fischel, Oskar: Raphael, Berlin 1962.

Grimme, Ernst Günther: Ein Aachener Maler als Jünger Rapheals, in: Aachener Nachrichten vom 16.04.1983; S. #.

Kultzen, R.: Italienische Malerei, Alte Pinakothek München, Katalog V, München 1975.

Passavant, Johann David: Raffael von Urbino und sein Vater Giovanni Santi, Band I und II, Leipzig 1839.

Puvogel, Renate: Kunstwerke des Monats: Friedrich Thomas, „Madonna della Sedia“, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, gezeigt in der Kreissparkasse Aachen, Aachen 1989.

Vogt, Christine: Bürgerlicher Geschmack in Aachener Kunstsammlungen, in: Aachener Kunstblätter, Bd. 61, 1995-1997, 237-305.

Rumohr, K.v.: Italienische Forschungen, 1. und 2. Teil Berlin und Stettin 1827, 3. Teil ebenda 1831, bearbeitet von J. v. Schlosser, Frankfurt am Main 1920.

Sonnenburg, Hubertus von: Raphael in der Alten Pinakothek, München 1983, S.98-105.

Turck, Martin: Das Reiff-Mueum der Technischen Hochschule Aachen, Alfter 1994.

Vasari, Giorgio: Le vitede‘ più eccellenti pittori, scultori, et architettori scritte da M. Giorgio Vasari, 8 Bände, Florenz 1568; Neuausgabe von G. Milanesi, Florenz 1878-85.

Vasari, Giorgio: Künstler der Renaissance, Lebensbeschreibungen der ausgezeichneten italienischen Baumeister, Maler und Bildhauer, hrsg. von Herbert Siebenhüner, Köln 1997. 

Notizen
Zwei weitere Kopien sind bekannt, die sich in der Galeria Sabauda in Turin (Katalog 1964, Nr.146) und in der Galerie der Akademie der bildenden Künste in Wien ( Inv. Nr. 240) befinden (H.v. Sonnenburg). 1983 wurde das Orginalbild gereinigt. Es scheint unklar, ob es Pappel- oder Kastanienholz ist, da die Kataloge der Alten Pinakothek sich wiedersprechen.
Dass es sich bei Carl Friedrich Thomas um den gesuchten Kopisten handelt könnte, ist meine eigene Vermutung, die sich auf keine genaueren Angaben stützt (hierzu ist die oben erwähnte Literatur vielleicht sinnvoll für weitere Recherchearbeiten).
N. 1051 (alte Münchener Inventarnummer); WAF 797 (neue Münchener Inventarnummer)

Madonna mit Jesus und Johannes (Aachener Kopie); Madonna della Tenda ‚Madonna mit dem Vorhang’ (Münchener Original) Der Titel des Originals hat sich erst durch einen Kupferstich von Paolo Toschi aus dem Jahre 1832 verbreitet (H.v. Sonnenburg)  

Stand der Bearbeitung: 2005-08-18 Saskia Rode 
Überarbeitet: 0000-00-00  

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