Inventarnummer
  87 (1901) 
Kopist
  anonyme Originalkopie nach Rembrandt 

Künstler

  Rembrandt 
Titel
  Kreuzabnahme (Kreuzabnahme Christi) 

Signatur, Beschriftung
unbekannt 

Datierung
letztes Viertel des 19. Jahrhunderts (um 1630) 

Aufbewahrungsort
unbekannt 

Sammlung
München 
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek München, Inv. Nr. 395 

Maße
85 cm x 62 cm (89,4 x 65,2 cm) 

Rahmen
unbekannt 

Material & Technik
unbekannt (Öl auf Zedernholz)  

Erhaltungszustand
unbekannt 

Bildbeschreibung
Hinweis: Die Bildbeschreibung orientiert sich am Original, da die Kopie noch "verschollen" ist!
Dieses Werk gehört zu einem Gemäldezyklus für den Statthalter Frederik Hendrik von Oranien.
Die Darstellung schließt sich dem Evangelium nach Johannes an. Rembrandts Komposition folgt dem klassischen Dreiecksaufbau, er lässt aus einer dunklen Gesamtstimmung einzelne Partien herausleuchten. Indem der hellste Bereich über den an dem schrägen Kreuzstamm ausgebreitet wird, wird ihm das Übergewicht verliehen und diese Richtung gegenüber den kontrastierenden Bewegungen als Hauptachse festgelegt.
Rechts im Bild steht in hoch aufgerichteter Körperhaltung Joseph von Arimathia, würdevoll, reich gekleidet. Er beobachtet die Abnahme, die aus dem tiefen Dunkel des Bildes heraus in helles Licht getaucht ist. Der Leichnam Christi ist zusammengesunken, geschunden, fern allem Göttlichen. Fünf Männer verschiedenen Alters versuchen ihn vom blutbeschmierten Kreuz sorgsam in ein Leichentuch herabgleiten zu lassen. In dem jungen Mann, der den Leib in Empfang nimmt, kann man den Jünger Johannes erkennen, der mit schmerzvollem Blick diesen letzten Dienst erweist. Die in Ohnmacht gesunkene Mutter zu Füßen des Kreuzes, jedoch im Dunkel fast versunken. Rembrandt selbst hat sich in diesem Werk als Mitleidender dargestellt. In zeitgenössischer Kleidung steht er auf der Leiter und verfolgt mit sorgenvoller Miene den Ablauf des Herablassens, versucht den rechten Arm des Leichnams zu halten. Das verschattete Gesicht ähnlich dem „Selbstbildnis als junger Mann“ (Inv. Nr. 83 ), als Anteilnehmer im Zentrum der Komposition durch die Beleuchtung hervorgehoben.
Der Künstler lässt die traditionelle Pracht der Körperlichkeit auch nach dem Tode gänzlich außer acht und versucht stattdessen sich in das Geschehen hineinzuleben. Er bildet ab was sich seiner Meinung nach wirklich zugetragen haben könnte, den Mechanismus des Abnehmens vom Kreuz, gefolgt vom Auffangen des Körpers in dem Leichentuch. Er macht den realistischen Bewegungsablauf, den Fall und das Abstützen des Körpers zum zentralen Moment für die Bildorganisation. So verschwindet bei der sonst so empfindungswahren Kreuzgruppe die Mutter Jesu, zu Füßen des Kreuzes, fast gänzlich im Dunkeln und der Körper Jesu selbst entbehrt jeglicher formalen Schönheit. Er wird zu einem dem Verfall anheimgegebenen Körper. 

Künstlerbiografie
Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606-1669) war ein bedeutender Maler, Zeichner, Kupferstecher und Radierer. Schon zu Lebzeiten war er in ganz Europa berühmt. Seine Eltern hatten sich wohl eine Gelehrtenkarriere für den Jungen Rembrandt vorgestellt, doch er Brach das Studium der Sprachen an der Leidener Universität ab, um bei dem Künstler Jacob van Swanenburgh in die Lehre zu gehen, danach verbrachte er sechs Monate in der Werkstatt des Historienmalers Pieter Lastman. Er wird in der frühen Karriere Rembrandts zu seinem Vorbild. Er bricht mit den Konventionen seiner Zeit, indem er sich keine Genre anschließt und auch keine Italienreise unternimmt, um die klassischen Stile zu erlernen. 1625 richtete er sich in seiner Heimatstadt Leiden eine eigene Werkstatt ein und erlangte schnell hohes Ansehen. Dramatische Gruppierungen, gelenktes Licht, scharfe Beobachtung und Menschenkenntnis machten seine Werke einzigartig. 1631 begann in Amsterdam seine produktivste Schaffensphase. Er deckte so gut wie alle Genres ab. Dabei versuchte er stets die Physis und die Psyche von Mensch und Landschaft zu ergründen und suchte immer wieder neue Wege und Techniken.  

Literaturangaben
Die alte Pinakothek, Sammlungsgeschichte Bau und Bilder; Rüdiger an der Heiden; 1998.

Niederländisches Künstler-Lexikon; Dr. Alfred von Wurzbach; B. M. Israel; Amsterdam; 1911. 

Notizen
 

Stand der Bearbeitung: 2005-05-31 Mareike Kruse 
Überarbeitet: 0000-00-00  

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