Inventarnummer
  152 (1901) 
Kopist
   

Künstler

  Edmund Harburger 
Titel
  Stillvergnügt 

Signatur, Beschriftung
 

Datierung
1896 

Aufbewahrungsort
Kunsthistorisches Institut der RWTH-Aachen, Büro des Lehrstuhlleiters, Schinkelstraße 1, Reiff-Museum 

Sammlung
Malerschulen des 19. Jahrhunderts 
 

Maße
42 x 52 cm 

Rahmen
Persönliche Begutachtung am 08. August 2006:
Das Gemälde hat einen gold gefassten Holzrahmen mit aufwendigem Zierstuck aus Gips. Das Außenmaß beträgt ca. 76.2 x 66,5 x 8 cm, das Innenmaß ca. 51,5 x 41,8 cm, also hat der Rahmen eine Breite von etwa 12,35 cm. Der Rahmen ist in einem guten Zustand erhalten. Es gibt ein paar kleinere Schäden: An der unteren rechten Ecke ist an der äußeren, seilartigen Verzierung ein Stück von dem Gips in einer Tiefe von ca. 0,7 cm bis auf das Holz heraus gebrochen. Weiter links davon sind ebenfalls wenige Millimeter der Stuckverzierung abgebrochen, jedoch nicht so tief. An der linken unteren Ecke gibt es kleine Abschürfungen der goldenen Farbe und einer dünnen Schicht Gips. Am mittleren, weiter nach vorne ragenden Teil des Rahmens an der vertikalen linken Seite befindet sich in der Mitte der oberen Hälfte eine leichte Delle von ca. 0,4 cm Länge. An der linken oberen Ecke gibt es am äußeren Rand feine Absplitterungen von Farbe und Gips auf einer Länge von ca. 1,3 cm. Ein kleines Stück von dem Gipsdekor mit einem Durchmesser von ca. 0,4 cm ist an der rechten oberen Ecke abgebrochen. An der oberen Kante ist rechts ein etwa 5,8 cm langer Riss im Holz entstanden. 

Material & Technik
Öl auf Leinwand  

Erhaltungszustand
Persönliche Begutachtung am 08. August 2006:
Das Gemälde ist insgesamt in einem sehr guten Zustand erhalten. Lediglich an den Rändern sind leichte Farbabblätterungen in feinen Linienformen zu erkennen, die eventuell von dem Entfernen eines früheren Rahmens stammen, der auf der Leinwand weiter nach innen ragte. An der linken vertikalen Seite gibt es unten nahe am Rahmen eine dünne Furche in der Ölfarbe von ca. 3,2 cm Länge, mit geringem Abstand darüber gibt es zwei weitere solcher Furchen von 0,4 und 0,7 cm Länge, die noch dünner sind als die erste. An dieser Seite befinden sich mittig weitere solcher Farbabblätterungen, die jedoch nicht grade verlaufen, sondern in einer Länge von insgesamt ca. 1,3 und 5,4 cm splitterartig auftauchen. Eine Furche von ca. 9,7 cm Länge existiert es etwas weiter oben an der linken Bildkante. In der Mitte des oberen Bildrandes ist an drei millimeterkleinen Stellen nahe des Rahmens die Farbe leicht abgeplatzt. Der rechte vertikale Bildrand weist zwei Abblätterungen in Form von kleinen Dreiecken auf, die insgesamt eine Fläche von ca. 1,8 x 0,4 cm einnehmen. Der untere Bildrand blieb beim Entfernen des früheren kleineren Rahmens unbeschädigt.  

Bildbeschreibung
Das Original-Ölgemälde von Edmund Harburger zeigt im Hochformat eine Innenraumszene mit hauptsächlich düsteren und warmen Farben. Im Vordergrund stehen zwei große Holzfässer, zwischen denen ein beleibter, alter Mann sitzt. Der Mann, der in Frontalansicht mit leichter Drehung nach links gezeigt wird, nimmt ca. ein Drittel der Gesamtfläche des Gemäldes ein, beide Fässer zusammen auch in etwa ein Drittel.
Der alte Mann hat seine Ellenbogen in Brusthöhe auf die Fässer gelegt, seine Hände hat er vor der Brust ineinander gefaltet. Seine Beine enden im Bildausschnitt kurz unter den Knien. Worauf er sitzt, ist nicht zu erkennen, es könnte sich dabei aber um einen Hocker handeln, da ein Stuhl o. ä. zwischen den eng stehenden Fässern wohl keinen Platz hätte, außerdem ist hinter seinem gebückten Rücken auch keine Lehne sichtbar. Der Mann trägt eine graue Hose, ein weißes Hemd und darüber eine weiße, wohl dreckige Schürze mit grauen, gelben und blauen Tönen. Darüber trägt er eine rostorangefarbene Jacke, die links und rechts von seinem fülligen Bauch zur Seite hinter die Fässer fällt und die er an den Ärmeln ein kleines Stück umgeschlagen hat. Die rechte untere Schürzenecke ist nach oben auf den Schoß geklappt und steckt in einer tiefen Falte, die sich unter dem Bauch gebildet hat. Zwischen der Brust und dem Bauch unter den Händen hat sich ebenfalls eine Falte gebildet. Die Schürze des Mannes und die beiden Fässer, bei denen es sich vermutlich um Bierfässer handelt, legen es nahe, dass es sich bei dem Mann um einen Wirt in seiner Wirtsstube handelt. Insgesamt vermittelt er den Eindruck, als sei er müde und schlapp auf einem Hocker niedergesunken und hängt nun, eventuell nach einem langen Arbeitstag, zwischen seinen Bierfässern, um sich ein wenig auszuruhen.
Sein Gesicht ist sehr rund und ein Doppelkinn verbirgt seinen Hals. Der Wirt hat eine rundliche, durch weiße Reflexionspunkte etwas glänzende Nase. Seine nur einen Spalt weit geöffneten, dunklen Augen blicken angestrengt und erschöpft, sie werden von großen Tränensäcken und dicken Augenlidern eingerahmt. An seinem ergrauten Schnurbart und dem kleinen Unterlippenbart kann man auf sein fortgeschrittenes Alter schließen. Auch seine Augenbrauen, seine Bartstoppeln und sein Haaransatz, der unter einer Mütze an der rechten Schläfe sichtbar ist, sind ergraut. Seine Mundwinkel sind gesenkt. Er trägt eine schwarze Mütze, die eventuell aus Samt gefertigt ist, mit einem rot-orange-farbenen Stirnband, die ihm tief in das linke Auge gefallen ist und an der linken Kopfseite nach unten hängt. Es könnte sich um ein Barett handeln, die genaue Form ist vor dem dunklen Grund allerdings nur schwer zu erkennen.
Die Fässer werden im Bildausschnitt angeschnitten gezeigt; das rechte ist nur in seiner halben Breite zu erkennen und das linke, etwas weiter hinten im Raum stehende Fass ist an der rechten Seite leicht angeschnitten. Die unteren Teile sind jeweils durch die Bildkante abgenitten. Das rechte Fass ist in braunen bis grau-braunen Farben gemalt, doch an vielen Stellen wurden auch hellere und wärmere Farben in gelb-orange Tönen verwendet. In dem dargestellten Ausschnitt ist das Fass von drei Eisenringen umspannt, die alle durch zarte Orange-Andeutungen etwas verrostet aussehen. Ein unterer Metallring scheint zu fehlen, da das Holz in einer ringartigen Fläche kräftiger orangefarben ist. Das linke Fass ist von vier Eisenringen umspannt, auch hier ist an der Farbgebung zu erkennen, dass ein Ring fehlt. Dieses Fass wurde hauptsächlich in düsteren grau-braunen Farben gemalt. Auf ihm steht ein bauchiger, in etwa kopfgroßer Tonkrug mit einem Henkel auf der linken Seite, der insgesamt hellgrau angemalt ist. Bei einer Verzierung in einem blauen Kreis auf der rechten Seite könnte es sich eventuell um ein Wappen oder ein Sigel handeln; Details sind nur schwer zu erkennen. Um den Hals des Kruges verläuft eine blaue Linie. Links neben dem Tonkrug liegt ein blau-graues Tuch, das am linken Bildrand am Fass hinunter hängt.
Im Hintergrund der dagestellten Szene ist auf der linken Seite eine Holzwand mit senkrechten Latten zu sehen, die oben von einem waagerechten Holzbalken abgeschlossen wird. Dieser Deckenbalken führt am gesamten oberen Bildrand entlang. Bei einem Querbalken an der linken Bildseite von links unten nach rechts oben mit einem weiteren waagerechten Balken darüber könnte es sich um die Verstärkung einer Tür handeln. Über dem Querbalken hängt schief eine erloschene Laterne aus Messing oder Kupfer an einem Nagel. Ab der Hälfte der Bildbreite ist rechts unter dem Deckenbalken ein annähernd vollflächig schwarzer Grund zu erkennen, bei dem es sich um einen in der Wirtsstube weiter hinten liegenden Raum handeln könnte. Hinter der rechten Schulter des Mannes ist in der Dunkelheit ein waagerechtes Brett nur sehr schwer zu erkennen, auf dem etwas zu liegen scheint (eventuell ein Tuch o. ä.). Hinter dem Kopf des Wirtes hebt sich nur ganz leicht ein Querbalken nach oben rechts von dem schwarzen Hintergrund ab, vermutlich ist es ein Stützbalken der Decke.
Der Pinselduktus des Gemäldes ist insgesamt eher lasierend, an einigen Details der Fässer, des Kruges und des Tuches befinden sich jedoch auch pastose Farbaufträge. Vor allem die Schürze sowie die Jacke des Wirtes wurden mit gröberen Pinselstrichen ausgeführt. Das Gesicht wurde besonders sorgfältig mit feinen Akzentuierungen von roter, weißer und grauer Farbe ausgeführt; ähnlich, aber insgesamt heller, die Hände.  

Künstlerbiografie
Edmund Harburger, geboren am 04. April 1846 in Eichstätt, gestorben am 05. November 1906 in München, war ein deutscher Zeichner und Maler.
Er übte den Beruf des Maurers bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr aus, beschäftigte sich aber schon früh nebenbei mit der Malerei. 1866 bezog er die Technische Hochschule in München und nahm an der Akademie Unterricht der Malerei bei Heinrich Lindenschmit auf.
Auch die Illustration beschäftigte ihn. In der Zeitschrift „Gartenlaube“ veröffentlichte er erste politische Karikaturen. Ab 1870 war er Mitarbeiter bei den „Fliegenden Blättern“, für die er insgesamt ca. 1500 humoristische und satirische Zeichnungen anfertigte, die ihm zu Ruhm verhalfen. Harburger studierte außerdem die holländische Genremalerei des 17. Jahrhunderts (u. a. Teniers und Ostade). Bei einem längeren Aufenthalt in Tirol 1871 fertigte er zahlreiche Interieurstudien an. Dabei entwickelte er eine besondere Begabung für die Darstellung humorvoll aufgefasster bayrischer Volkstypen wie Kleinbürger, Wirtsleute und Zechbrüder in malerisch hervorragend behandelten Innenräumen. Er zeigt in seinen Gemälden einen besonders scharfen Blick bei der Charakterisierung, seine Figuren stellt er geistvoll witzig, aber nicht karikierend dar. Seine Ölgemälde bestechen durch eine glänzende Koloristik, seine Zeichnungen in Kohle oder weichem Bleistift folgen eher einer malerischen Auffassung und bleiben im Ausdruck zurückhaltend. Zudem malte er auch einige Stillleben und Porträts. Ausgestellt wurden seine Werke u. a. ab 1871 im Münchner Glaspalast, der Berliner Akademie und 1882/84 im Pariser Salon. Einige charakteristische Werke Harburgers befinden sich in der Neuen Pinakothek in München („Beaux restes“ und „Weinhandel“), im Mainzer Museum (u. a. „Rübenschälerin“ und „Wichtige Auseinandersetzung“) und das Darmstädter Museum beherbergt u. a. mehrere Interieurstudien. Zeichnungen und Lithographien bewahrt das Stadtmuseum München auf. Weitere Gemälde besitzen die Museen in Danzig, Göteborg, Leipzig, Münster i. W., Prag, Reichenberg i. B. und Zürich.  

Literaturangaben
- Stern, Dorothea: Harburger, Edmund. In: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Hrsg. v. Hans Vollmer. 16. Band (Hansen – Heubach), Leipzig 1923, S. 19f.
- Edmund Harburger, in: http://de.wikipedia  

Notizen
 

Stand der Bearbeitung: 2006-09-23 Nina Giesen 
Überarbeitet: 0000-00-00  

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